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Digitales Rechte-Management: Ein Vermarktungsfehler

ein Gastbeitrag von Andreas Popp

Die Digitalisierung der Kulturmärkte schreitet voran. Der Musikmarkt ist da bereits am weitesten. Hier haben physische Datenträger schon längst gegen die Downloads verloren. Der Buchmarkt steht dagegen noch ganz am Anfang dieser Entwicklung. Die Ära des E-Books nimmt dank E-Book-Readern und Tablet-PCs erst so richtig fahrt auf. Die Verlage müssen sich dennoch allerspätestens jetzt die Frage stellen, wie sie ihre Produkte im Internet vermarkten wollen. Anstatt dabei aber von den Fehlern der Musikindustrie zu lernen, rennen sie lieber sehenden Auges in die alten Fettnäpfchen. Ein Paradebeispiel dafür: Das Digitale Rechte-Management, kurz DRM.

Betrachten wir das Prinzip am Beispiel eines E-Books. Vereinfacht gesagt bedeutet DRM, dass der Kunde, wenn er das E-Book kauft, eine verschlüsselte Datei bekommt. Um diese zu entschlüsseln und das E-Book lesen zu können, braucht man ein Programm des Anbieters und Zugang zu dessen Server, damit dort der Lizenzschlüssel für das jeweilige Gerät abgerufen werden kann. Diese entschlüsselt nicht nur das Buch, sondern bestimmt auch, welche Rechte der Nutzer hat. Damit kann z.B. bestimmt werden, wie oft das E-Book ausgedruckt werden darf, ob man die Vorlesefunktion benutzen darf oder sogar in welchem begrenzten Zeitraum es überhaupt gelesen werden kann.

Mit DRM sichert sich der Inhalteanbieter die Kontrolle über das Werk bis hin zum Endgerät des Kunden. Besonders interessant ist dabei natürlich die Kontrolle über die Vervielfältigung. Ich kann ein DRM-geschütztes E-Book nicht einfach auf ein anderes Gerät kopieren. Ich müsste den Lizenzschlüssel mitkopieren, der aber häufig ans Gerät gebunden ist. Auf diese Weise soll vor allem das Weitergeben der Inhalte von einem Nutzer zum andern unterbunden werden, sodass ich z.B. einem Freund oder Verwandten keine Kopie des E-Books ziehen kann. DRM ist also im Wesentlichen ein aufgebohrter Kopierschutz.

Wie auch schon die klassischen Kopierschutzmaßnahmen, die z.B. bei Musik-CDs zum Einsatz kamen, bedeutet DRM massive Einschränkungen für die Nutzung der legal erworbenen Inhalte (und nur dieser, aber dazu später). Das Kopieren dieser Inhalte von einem Gerät zum anderen – z.B. vom PC auf das Handy – ist nicht ohne Weiteres möglich, sondern benötigt immer ein Zutun des Anbieters. Viele Geräte und Betriebssysteme werden dabei überhaupt nicht unterstützt. Auch ist eine Datensicherung praktisch nicht möglich, ich kann die Datei ja nicht ohne Weiteres auf einen USB-Stick kopieren und später wieder einspielen, wenn z.B. der PC neu installiert werden musste.

Dies ist besonders dann ein Problem, wenn der Anbieter den Lizenzserver abschaltet. Niemand weiß, was in 10 Jahren ist. Unternehmen, die heute noch auf dem Gipfel sind, können morgen pleite sein. Wer betreibt dann den Lizenzserver? Oder was ist, wenn die Technologie sich weiterentwickelt und das Kaufen von E-Books in der Bedeutungslosigkeit verschwindet? Apple beginnt z.B., seinen Musik-Dienst iTunes schon jetzt auf einen sog. Cloud-Dienst umzubauen. Wie lange wird sich ein Unternehmen wohl verpflichtet fühlen Server für veraltete Geschäftsmodelle zu betreiben, die nur noch Kosten aber keinen Umsatz mehr abwerfen?

Einige würden jetzt sagen, dass die Kunden diese Einschränkungen akzeptieren müssen, damit die Anbieter die illegalen Downloads eindämmen können. Und hier steckt der entscheidende Denkfehler: Kein einziger illegaler Download wird mit diesem System verhindert. Heute versucht niemand mehr die vom Kumpel geliehene CD zu brennen und beißt sich am Kopierschutz die Zähne aus. Man lädt es einfach aus dem Netz, ohne DRM. Eine DRM-Maßnahme zu entfernen ist vielleicht etwas aufwendig, aber es ist auch vollkommen ausreichend, wenn ein einziger Mensch auf der Welt diesen Aufwand auf sich nimmt.

Und während der zahlende Nutzer sich ärgert, dass er sein E-Book nicht lesen kann, weil der Lizenzserver des Anbieters mal wieder ausgefallen ist, bedient sich der nicht-zahlende Nutzer sämtlicher Annehmlichkeiten des offenen Formats. Er kopiert sein E-Book auf seinen noch so exotischen Tablet-PC und liest es im Garten. Wenn die Speicherkarte mal voll ist, sichert er einfach die Datei auf seiner externen Festplatte und lädt sich neue Bücher auf das Gerät. Und wenn er schlecht sieht, nutzt er einen Leser, mit dem sich die Schriftgröße gut ändern oder sich das Buch vorlesen lässt. Wer zahlt ist der Dumme und deshalb zahlen so wenige Leute für »DRM-verseuchte« Dateien.

Es stellt sich also die Frage: Was bringt es die zahlenden Nutzer mit DRM zu gängeln, von welchem die nichtzahlenden Nutzer überhaupt nicht betroffen sind? Die Antwort kann nur lauten: Nichts. Stattdessen sollten die zahlenden Kunden einfach ein möglichst gutes Produkt bekommen, welches mindestens genau so gut ist, wie das, was man in den Internet-Tauschbörsen findet und am besten sogar noch besser. Dass das geht, sieht man an vielen Beispielen aus verschiedenen Branchen der Unterhaltungsindustrie.

Dass DRM zumindest ein Holzweg ist, das musste wie eingangs schon erwähnt bereits die Musikindustrie feststellen. Während bei der Eröffnung von Apples iTunes im Jahr 2001 noch alle großen Labels auf DRM bestanden, kriegt man bei Amazon MP3 seit 2007 alle Titel in DRM-freien MP3-Dateien.

Wenn die Buchverlage also die digitale Revolution heute nicht genauso verschlafen wollen wie die Musikindustrie vor 15 Jahren, dann müssen sie umdenken. Sie müssen weg von der Idee »ihre« Inhalte bis ins Wohnzimmer der Kunden zu kontrollieren oder verhindern zu können, dass E-Books durch Internet-Tauschbörsen wandern. Stattdessen müssen sie Produkte anbieten, welche den Nutzern einen echten Mehrwehr bieten. Die werden es mit Kundentreue danken und das ist eine Situation, die für alle ein Gewinn ist.

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